Geschichte der HAK-Linz

geschichte01Die Handelsakademie Linz wurde am 1. Oktober 1882 als vierte Handelsakademie in der österreichisch-ungarischen Monarchie (Prag 1856, Wien 1857 und Graz 1863)und als älteste im heutigen Oberösterreich im Haus Hofgasse Nr.23 (Altstadt) eröffnet, nachdem das Handelsgremium die Errichtung einer Handelsakademie beschlossen bzw. das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht das Organisationsstatut genehmigt hatte.

Ermöglicht wurde dies auch durch die Privatinitiative Linzer Kaufleute in einer Zeit, in der man erkannte, dass wirtschaftlicher Fortschritt nur dann möglich ist, wenn entsprechend qualifizierte Nachwuchskräfte herangebildet werden. Infolge der steigenden Zahl von Schülern und Lehrkräften wurde das Gebäude der ehemaligen Schule am Linzer Hofberg zu klein, sodass ein Neubau in der Rudigierstraße 4-6 vom Handelsgremium errichtet wurde. Seit 1901 befindet sich nun die Handelsakademie Linz in diesem Haus. Die Übersiedlung war auch deshalb notwendig geworden, weil ab 1899 als einmaliger Schultyp in Österreich eine Eisenbahnfachschule angeschlossen wurde, die bis 1913 bestand.

Bis zum Ende der Donaumonarchie hatte die Linzer Handelsakademie ein Einzugsgebiet, das neben Oberösterreich auch das westliche Niederösterreich, Land und Stadt Salzburg sowie das südliche Böhmen umfasste. Der wohl bekannteste Schüler dieser Zeit war der bedeutende österreichische Lyriker Rainer Maria Rilke, der von 1891 bis 1892 die Handelsakademie in Linz besuchte.
Im Jahre 1909 wurde die zweijährige Handelsschule für Mädchen eröffnet. 1918 erfolgte die Einrichtung eines Abiturientenkurses, der allerdings nach drei Jahren aus Kostengründen wieder eingestellt wurde. 1919 kam die zweijährige Handelsschule für Knaben dazu. 1921 übernahm der Bundesstaat Österreich das Schulgebäude mit dem gesamten Inventar und Vermögen vom Handelsgremium Linz gegen die Verpflichtung, es dauernd dem kaufmännischen Unterricht zu widmen.

 

Kriegs- und Nachkriegsjahre
Während des Zweiten Weltkrieges wurde am 20. Jänner 1945 der Ostteil des Schulgebäudes bei einem Luftangriff stark beschädigt und für den Unterricht unbrauchbar gemacht. Der Wiederaufbau erfolgte während der Sommermonate, sodass im Herbst 1945 der Unterricht wieder aufgenommen werden konnte.  In den 1950er-Jahren kam es zu einem enormen Anstieg der Schülerzahlen (1955/56 ca. 800 Schüler), das Gebäude war aber ursprünglich nur für 170 Schüler geplant. Diese drückende Raumnot machte es notwendig, dass in dieser Zeit Klassen mit Nachmittagsunterricht geführt wurden. Dem Aufbau eines dritten Stockwerks im Jahre 1958 folgten 1959 bis 1961 eine völlige Erneuerung und Neueinrichtung des Gebäudes in der Rudigierstraße. Dabei wurden ein Lehrbüro, ein Sprachlabor und eine Schulküche eingerichtet bzw. eine audiovisuelle Lehrmittelsammlung angelegt. Auch ein Abiturientenkurs wurde wieder eingeführt, den das heutige viersemestrige kaufmännische Kolleg abgelöst hat. Die historische Fassade von 1901 mit der Statue des Merkur, des römischen Gottes des Handels, fiel allerdings der Spitzhacke zum Opfer.
Im Schulorganisationsgesetz von 1962 erfolgte die Erweiterung der Handelsakademie von vier Jahrgängen auf fünf und die der Handelsschule von zwei auf drei Jahre.

Handelsakademie für Berufstätige
Im Schuljahr 1976/77 wurde der Handelsakademie Linz ein neuer Schultyp angegliedert: die Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule für Berufstätige, die auf Initiative der oberösterreichischen Arbeiterkammer im Jahre 1968 als dreijähriger Vorbereitungskurs für die Externisten-Reifeprüfung begonnen hatte. Ab dem Schuljahr 1970/71 erhielt die Arbeiterkammer Oberösterreich als Schulerhalter das Öffentlichkeitsrecht und gleichzeitig wurde der Externistenkurs in „Handelsakademie für Berufstätige“ umbenannt sowie die Schulzeit auf vier Jahrgänge ausgedehnt.
Im Jahre 1976 wurde die Handelsakademie für Berufstätige vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst übernommen.

Die ersten Computergeschichte02
In den Sommermonaten 1981 erfolgte abermals eine Erweiterung der Schule: Erstmals installierte man fünf Kleincomputer und baute das Lehrbüro in zwei Computerräume und einen Klassenraum um. Außerdem wurden die Fenster im dritten Stock erneuert und die Schule an das Fernheizwerk angeschlossen.
In den 1990er-Jahren wurde das Tor in das Computerzeitalter weit aufgestoßen und die gute alte Schreibmaschine vom Computer abgelöst. Der Einzug von Internet, E-Mail und Mobiltelefon hat die alten Informations- und Kommunikationsstrukuren und damit den Unterricht völlig revolutioniert. Hand in Hand ging damit die Schaffung von Notebookklassen für den IT-Zweig der Handelsakademie. Ein neues Schulleitbild wurde entwickelt und der Projektunterricht besonders forciert. Die Öffentlichkeitsarbeit und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft verstärkte man wesentlich, indem sich eine PR-Gruppe aus Professoren und Schülern bildete. Im Schuljahr 1994/95 wurde die Handelsakademie für Berufstätige mit Elementen des Fernunterrichts eröffnet, deren Studierende drei Abende in der Woche den Unterricht besuchen. In der Tagesschule wurde die Fünf-Tage-Woche eingeführt.

Erste oberösterreichische Schule mit Umweltzeichen
Zahlreiche umwelt- und gesundheitsrelevante Projekte bestimmten den Unterricht, sodass die Handelsakademie Linz im Jahre 2005 als erste Schule Oberösterreichs mit dem „österreichischen Umweltzeichen für Schulen“ ausgezeichnet wurde.
In den Sommerferien 2005 erfolgte eine Generalsanierung des dritten Stockwerks. Im Zuge des Umbaus entstanden ein Mehrzwecksaal, der für Projektpräsentationen, Vorträge, Seminare und für die Abhaltung der Reife- und Diplomprüfung verwendet wird. Außerdem wurde ein naturwissenschaftliches Zentrum geschaffen und nach der Renovierung konnte die Schulbibliothek ihren Betrieb aufnehmen. Auch die Fassade des Hauses wurde erneuert.
Im Schuljahr 2006/07 wurde der Schulhof in ein Pausen- und Erholungszentrum umgestaltet.
Seit dem Schuljahr 2008/09 ist der Standort auch Heimat der ersten Handelsschule für Leistungssportler und Leistungssportlerinnen in Oberösterreich. Hier erhalten Top-Talente die Chance, Spitzensport und Berufsausbildung zu kombinieren.
Im Sommer 2010 wurde die Schule behindertengerecht umgebaut, sodass auch junge Menschen mit Behinderungen das Gebäude betreten können, ohne durch Barrieren daran gehindert zu werden.
Diese stolze Bilanz des Hauses Rudigierstraße zeigt, dass die Handelsakademie Linz durch ihr Wirken einen wesentlichen bildungspolitischen Beitrag für unser Land geleistet hat und auch in Zukunft junge Menschen bestmöglich auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereiten wird.